„Pflasterstube“, 10. Juli 2016

„Der unter Umständen sehr schnelle soziale Abstieg in die Wohnungslosigkeit, der eigentlich jeden treffen kann, führt zum sozialen Ausschluss. Es folgt einerseits Scham, Mutlosigkeit und Resignation, andererseits Aufbegehren, Zorn und Hass. Bei Frauen mit Gewalterfahrung kann es in absoluter Abkapselung enden. Wie soll ein Amt, ein Arzt, ein Heim mir helfen können?

Eigentlich sollte nach dem Gesundheits-Modernisierungs-Gesetz (GMG) 2004 jeder krankenversichert sein. Aber es gibt immer wieder Menschen, die nichts davon wissen und auch tatsächlich nicht versichert sind. Andere kennen ihre Krankenkasse nicht oder haben ihre Versicherungskarte nicht mehr. Außerdem gibt es auf der Straße auch Illegale, die nicht versicherbar sind, aber dringende medizinische Hilfe brauchen.

Die wichtigste Trittstufe zum Erreichen des Gesundheitssystems ist der Vertrauensaufbau durch immer wiederholte Gespräche, durch Erläuterung der voraussichtlichen Behandlung, Abbau der Ängste und Hemmungen, durch Terminvereinbarung und Begleitung zum Arzt. Und genau so wichtig ist die pünktliche und auch anhaltende Einnahme von Medikamenten, ohne die keine Wirkung entsteht. Dies sind zwar nur niederschwellige Hilfen. Nur mit ihnen haben wir unserer Meinung nach eine Möglichkeit die entstandene Mauer, die in den vielen Jahren eines obdachlosen Lebens zwischen den Betroffenen und uns allen entstanden ist, langsam wieder abzubauen.“

So der Text auf der HP der Pflasterstube Offenburg. Im Vorbereitungsgespräch waren wir, das Team von GOSPELtime, überrascht, welche Lücken doch das Sozialsystem in Deutschland für den oben angesprochenen Personenkreis aufweist und mit großen Augen und Ohren hörten wir Herrn Dr. Schadeberg bei seinen Beschreibungen der täglichen Arbeit innerhalb der Pflasterstube, dem Menschen orientierten Ansatz und der Angebotsvielfalt zu.

Wir sind uns sicher, mit der Pflasterstube wieder ein Projekt ausgesucht zu haben, das es wert ist, Ihnen im nächsten GOSPELtime nahe gebracht zu werden.


Von wegen Takt – los – Pflasterstube Offenburg kann sich Defibrillator anschaffen (10. Juli 2016)

Zum 11. Mal fand am 10. Juli 2016 ein GOSPELtime, der Gottesdienst, der bewegt statt. In der Johanneskirche wurden die GottesdienstbesucherInnen vom Gospelchor Takt-los aus Baden Weiler musikalisch begrüßt. Gastprediger Pfarrer Roland Wolf, der frühere Pfarrer der Johannesgemeinde, hatte die Bergpredigt für die Lesung ausgewählt. Ihr seid das Salz der Erde und wir sollten denen die Suppe versalzen, die heutzutage auf Angst und Ausgrenzung setzen , appellierte er leidenschaftlich. Gospel bedeutet auch die gute Nachricht von Gott neu mit Leben füllen, Gottes Liebe neu buchstabieren , führte Wolf aus.

Als Sozialprojekt wurde die Pflasterstube Offenburg vorgestellt. Clemens Bruder vom GOSPELtime Team und Dr. Hannes Schadeberg, einer der Vorsitzenden der Pflasterstube e.V. stellten diese vor. Der Förderverein Pflasterstube kümmert sich seit zehn Jahren um kranke und hilfesuchende Menschen, die durch die Maschen unseres Sozialnetzes fallen. Die Pflasterstube will Obdachlosen und Hartz IV-Empfängern helfen, unser Gesundheitssystem zu erreichen , erklärte Schadeberg. Die Mitarbeiter der Einrichtung vermitteln Arzttermine, begleiten bei Arztbesuchen, finanzieren die Zuzahlungen zu Medikamenten, Brillen und Verbandsmitteln, falls benötigt, aus Spendenmitteln und vieles mehr.

Der Verein selbst finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Jeden Monat suchen bis zu 50 Menschen die Pflasterstube auf und der Bedarf steigt, wie Schadeberg ausführte. Wunsch der Pflasterstube in Offenburg ist es, dass auch in Kehl eine Pflasterstube aufmacht und neben Spenden sucht der Verein Mitarbeiter und einen Raum, damit dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann. Ein Arzt habe sich schon bereit erklärt, mitzuwirken, wenn es in Kehl eine solche Einrichtung gibt. Viele Menschen kommen auch, um das niederschwellige Gesprächsangebot zu nutzen, sie sind einsam und teilweise verzweifelt , berichtete Schadeberg. Mit spürbarer Begeisterung brachte der Gospelchor Takt-los die frohe Botschaft in die Johanneskirche und infizierte im Handumdrehen die Gemeinde mit dem Gospel-Funke , wie Dirigent Horts K. Nonnenmacher mit dem Lied Move spirit move ankündigte. Durch die hohe Kollekte, zugunsten der Pflasterstube, kann diese sich nun einen, lang ersehnten und dringend benötigten, Defibrillator anschaffen – die Kollekte schloss hier eine Finanzierungslücke.

Allen SpenderInnen herzlichen Dank.